Angel Esquire (1908) ✔️
Der erste Roman von Edgar Wallace - und in dem Vergleich zu späteren Werken eher untypisch. Es geht hier nicht um ein Mystery (Wer hat was getan) sondern es ist eine Mischung aus Abenteuerroman und Schatzsuche. Ohne wirklich spoilern zu wollen: Es geht um ein Rätsel, das zu einem Millionenvermögen führt, und der Lösung des Rätsels sind verschiedene Parteien interessiert.
An sich recht originell, und nicht das übliche Schema von Wallace. Leider trüben zwei Dinge den guten Eindruck:
- Die Lösung des Rätsels ist für den Leser (und den Figuren des Romans) nicht ohne entscheidende Hinweise möglich.
- Das letzte Viertel des Romans ist in einem Punkt komplett unglaubwürdig. Sogar Wallace ist das klar, weil er dieses tatsächlich in Zeitungsberichten (im Roman) thematsiert:
Spoiler
Die Tatsache, dass einer der Gegenspieler trotz erwiesener begangen Verbrechen - inklusive versuchten Mord - nicht direkt verhaftet wird sondern erst am Ende des Romans.
The Man Who Bought London (1915) ✔️
Der Protagonist King Kerry1 kauft im Auftrag einen Syndikates Teile des inneren Londons auf und ist bei seinen Methoden nicht sonderlich zimperlich. Des Weiteren gibt es mehrere Sub-Plots, darunter zwei romantische und einem mit einem massiven Plot-Twist
Kommentar
Es zweigt sich hier Der Zweck heiligt die Mittel. Das Ziel/die Idee von King Kerry ist durchaus gut gemeint, die Methoden jedoch sind es nicht: Sei es dass er mittels Dumping-Preisen in einem neuerworbenen Geschäft die Konkurrenz, deren Immobilien er erwerben will, mittels Dumping-Preisen ruiniert und so billig aufkaufen kann, sei es dass er eine Zeitung, die ihm nicht wohlwollend ist, aufkauft um sie zu seinem Sprachrohr zu machen, neben der Tatsache dass der Trust, dem er vorsteht, selbst problematisch ist, es wird explizit darauf hingewiesen dass in den USA dies durch den Sherman-Act illegal sei. Ansonsten ganz spannend, wenn auch ab und zu viel Zufall/Glück/Deus ex Machina vorkommt und der massive Plot-Twist eher unglaubwürdig ist.
The Melody of Death (1915) ✔️
Einer der besseren Romane von Wallace, mit einer sehr originellen Auflösung der „Todesmelodie“, wobei mir das irgendwie nach urban legend aussieht, ich meine mich dunkel an sowas zu erinnern 🤔
Das Ende verdirbt allerdings den guten Eindruck ein wenig, es ist mal wieder eine massive Deus Ex Machina, ich vermute dass Wallace sich in eine Sackgasse manövriert hat und keine plausible Erklärung eingefallen ist:
Leichter Spoiler
Der reine Zufall, wie der Protagonist noch rechtzeitg aus einem ausbruchsicherem Raum entkommt.
The Secret House (1917) ✔️
Dies ist ein etwas eigenartiger Roman. Zum einen ist er etwas anachronistisch erzählt, es werden Charaktere referenziert, die erst später überhaupt eingeführt werden, zum anderen ist sehr schnell klar wer der Erpresser, der am Anfang des Romans sich noch tarnt, tatsächlich ist. Ebenso wird dessen komplexer Plan schon vergleichsweise früh von der Polizei aufgedeckt. Das namensgebende Haus selbst wird auch vergleichsweise spät vorgestellt und ist dann der eigentliche Star des Romans ungefähr ab der zweiten Hälfte.
The Clue of the Twisted Candle (1918)✔️
Direkt nach The Secret House hat Wallace erneut einen Charakter mit den Initialen „T. X.“2 erschaffen, wieder bei der Polizei, allerdings ein anderer Nachname (Meredith statt Smith).
Das titelgebende Verbrechen/Mystery findet erst zur Hälfte des Romans statt, vorher ist das alles mehr oder weniger Einführung und Beschreibung des Opfers.
The Man Who Knew (1918) ✔️
Eine der besseren Wallace-Romane: Er spielt ein wenig mir den Erwartungen der Leser bzw. mit gewissen Klischees, die in Wallace-Romanen oft vorkommen um den Leser dann am Ende zu überraschen. Der Titel hat doppelte Bedeutung, die zweite Bedeutung ist erst am Ende klar.
The Green Rust (1919) ✔️
Ein eher unübliches Werk von Edgar Wallace: Es geht hier nicht um ein klassisches Verbrechen/Mystery (wer hat xyz getötet und wie) sondern das hat eher mit einem James-Bond-Superschurken-Plot Ähnlichkeit.
Leichter Spoiler
Der Antagonist ist ein Deutscher, der nach dem Ende des ersten Weltkrieges die Welt erpressen will um Deutschland wieder zu alten Glanze zu führen.
Kate Plus Ten (1919) ✔️
Eine junge Frau ist ein verbrecherisches Planungsgenie, betreibt dies aus der intellektuellen Herausforderung und plant einen gewaltigen Beutezug. Später wird ihr klar wie heuchlerisch ihr Leben - und ihre Komplizen - sind.
Eine der besten - wenn nicht gar der beste Roman von Wallace:
- Er enthält ein sehr modernes Frauenbild. Die Protagonisten Kate ist ihren Komplizen (und Opfern) intellektuell weit überlegen und sehr selbstständig. Das ist nicht ganz untypisch Wallace. Sobald sie nicht mehr benötigt wird, wird sie nicht mehr respektiert und wie eine „normale“ Frau der damaligen Zeit behandelt. Typisch für die Zeit, wird hier allerdings negativ dargestellt, ebenfalls sehr modern.
- Mal kein (oder kaum) Rassismus.
- Ebenfalls kein Deus ex Machina
- Der Roman ist sehr spannend, die Planung des Überfalls und die Durchführung ebenso, und geradezu filmreif.
The Daffodil Mystery (1920) ✔️
Ein typischer Mystery von Wallace inklusive der schon fast obligatorischen Liebesgeschichte zwischen dem Protagonisten und einer Verdächtigen. Nicht sonderlich gut, die Tat um die es geht enthält eine Reihe an Zufällen die nicht sonderlich plausibel sind, zum anderen ist das eine typische Geschichte mit gespickten Rassismus, konkret gegenüber Chinesen:
Eine der Hauptfiguren ist ein Chinese, quasi ein Diener des Ermittlers. Obwohl er ihm quasi ebenbürtig ist soll er nicht alleine die Wohnung verlassen, nennt ihn “Master” und geradezu schmerzhaft ist die klischeehafte Sprache:
Cite
“Because I have asked,” said the Chinaman simply. “Many people know the little-young-woman at the great Stores where the white-faced man lived, and they all say that she does not drive the quick cart.”
Das erzeugt beim Lesen Schmerzen, obwohl - wie sich herausstellt - er perfektes, praktisch akzentfreies Englisch sprechen kann kann er den Namen „Rider“ nicht aussprechen („Lider“) usw. Typischer Rassismus von Wallace mit impliziter Überlegenheit der „weißen Rasse“ gegenüber der „gelben Rasse“.
Jack O’Judgment (1920) ✔️
Dieser Roman handelt - nicht untypisch für Wallace - um Selbstjustiz und Rache. Er ist allerdings sehr unterhaltsam, schon alleine aus reiner Schadenfreude wie der Titelcharakter - Jack O’Judgment - eine skrupellose Erpresserbande ruiniert 😁
The Angel of Terror (1922) ✔️
Ein eher durchschnittlicher Roman von Wallace. Und auch ein wenig unglaubwürdig: Die ganze Geschichte basiert darauf, dass die Täterin (besagtes „Angel of Terror“) so schön und unschuldig aussieht, dass niemand ihr etwas Böses zutraut, selbst das potentielle Opfer nicht, das vor ihr gewarnt wird. Selbst Scotland Yard kann nicht glauben dass jemand mit so einem Gesicht böse sein könne. Das halte ich für extrem klischeehaft und unglaubwürdig.
The Crimson Circle (1922) ✔️
Auch wenn die Wendungen für mich nicht allzu überraschend waren, ist das einer der besseren Romane von Wallace. Recht spannend zu lesen, relativ intelligent und mit einer starken Frau.
Mr. Justice Maxell (1922) ✔️
Einer der schlechtesten Romane von Wallace:
- Drei der Protagonisten (Cartwright, Maxell, Sadie) sind alles andere als sympathisch/positive Charaktere, wobei der erste (Cartwright) der sympathischste der dreien ist
- Das eigentliche Mystery/Verbrechen findet erst nach einer recht langen Vorlaufszeit in der zweiten Hälfte des Romans statt
- Das Ende ist auch sehr enttäuschend, eine der Wendungen unglaubwürdig
- Teilweise basieren so einige Ereignisse auf reinem Glück, und besonders der Vorfall im Spielcasino in Monte Carlo ist extrem unglaubwürdig/unwahrscheinlich.
- Eine der Charaktere (einer durchaus positiven) benutzt den extrem rassistischen Begriff „coon“
The Valley of Ghosts (1922) ✔️
An sich ein sehr interessantes Mystery, es ist lange Zeit nicht klar wer der Täter ist, was das Motiv ist, und verdächtige Personen gibt es auch mehr als genug, die ein potentielles Motiv haben.
Leider verdirbt das Ende/die Aufklärung das ganze ein wenig: Es kommen Informationen ans Licht, die es vorher nicht gab und auch nicht angedeutet werden. Zum allen Überfluss kommen besagte Informationen durch mehrere reine Zufälle ans Tageslicht, ohne besagte Zufälle würde das Rätsel nicht gelöst.
The Clue of the New Pin (1923) ✔️
Wer der Mörder war, war mir recht schnell klar, zumal dann auch mehr als genügend Hinweise kamen. Das interessante daran war herauszufinden, wie der Mord begangen wurde - es handelte sich hier um ein klassisches Rätsel um einen verschlossenen Raum. Die Lösung war interessant und durchaus plausibel.
The Green Archer (1923) ✔️
Ein etwas seltsamer Roman. Nach etwa 50% dachte ich dass der Roman nun ein Ende hat, weil die meisten Geheimnisse gelüftet waren, bis auf die Identität des grünen Bogenschützen. Diese wurde erst am Ende aufgeklärt, und natürlich fehlten dem Leser wichtige Informationen.
The Dark Eyes of London (1924) ✔️
Der Roman ist an sich spannend und interessant, die letzten 20% oder so dagegen sind komplett unglaubwürdig und vergällen den Roman ein wenig. Dennoch einer der besseren Romane von Wallace.
The Face in the Night (1924) ✔️
An sich ein recht interessanter Roman mit mehreren überraschenden Wendungen, gehört durchaus zu einem der besseren Romane, hat teilweise etwas von Aschenputtel und der bösen Stiefschwester. Allerdings ist eine der Sachen etwas ausgelutscht und damit ermüdend:
Leichter Spoiler
Mal wieder (etwas was im vorherigen Roman vorkam, und das nicht zum ersten Mal) eine wenig begüterte Frau, die nicht weiß dass sie die Erbin eines gewaltigen Vermögens ist.
The Sinister Man (1924) ✔️
An sich einer der besseren Edgar Wallace-Romane, erst gegen Ende kommt es zu einer Auflösung und durchaus überraschende Wendungen. Interessant ist auch die Handlung: Es geht um Drogenschmuggel und den Kampf rivalisierender Drogenbanden, eine recht frühe Darstellung der ganzen Problematik. Der gute Eindruck wird aber mal wieder durch den Rassismus gegenüber Asiaten getrübt, hier ein Eindruck den die (positive!) Protagonistin von einem gebildeten Chinesen hat:
Cite
He was dressed in the height of fashion. His smartly-cut overcoat was wasp-waisted, his striped grey trousers were rigidly creased, and over his enamelled boots were a pair of white spats. The fashionable cravat, the neat gloves, all these things were European. But the face! The fathomless black eyes, set behind lashless lids, the yellow face like wrinkled parchment, the bloodless lips, the protruding underjaw—she had never seen anything quite so hideous; and, as though he read her thoughts, he said, in perfect English:
Später empfindet sie es als Affront, dass besagter Chinese sich auf einer Stufe mit ihr sieht, sprich: Klassismus und Rassimus pur. Und das wird nicht etwa angeprangert.
The Avenger (1925) ✔️
Auch dieser Roman ist an sich recht gut, insbesondere in Hinblick auf Filmproduktion als solches, der Regisseur Knebworth liefert sehr unterhaltsame, teils sarkastische/zynische Einblicke. Man sieht sehr gut dass Wallace Kontakt zu dem Metier hatte und seine Erfahrungen hier niederschreibt. An sich recht spannend, nur die Auflösung enttäuscht: Ich hatte mir schon gedacht wer der „Head-Hunter“ ist (aber nur weil die falschen Hinweise/Ablenkungen zu offensichtlich waren), nur dessen Motivation wurde erst ganz am Ende aufgeklärt nebst Informationen die der Leser nicht hat. Das ist ein wenig unfair. Auch die Beschreibung des Orang-Utans und dessen mentale Fähigkeiten ist von heutiger Sicht aus vollkommen übertrieben, die Menschenaffenforschung war damals nicht so weit wie heute. Anderseits sieht man auch hier dass Wallace das Drehbuch von „King Kong“ schreiben sollte, es aber durch seinen Tod nie fertig gestellt hatte.
The Blue Hand (1925) ✔️
Ein etwas ungewöhnlicher Roman, allerdings mal wieder nach einer der üblichen Schemata von Wallace: Junge, fast mittellose Frau muss für ihren Lebensunterhalt aufkommen und ist eine heimliche Erbin eines Vermögens und wird von einem jungen Mann gerettet. Ungewöhnlich daran dass diese Tatsache - dass sie die verschollene Erbin ist - recht schnell klar ist und auch sonst keine großen Geheimnisse (bis auf wenige Details) zu klären sind, es steht von Anfang an fest wer der Widersacher ist und etwa die zweite Hälfte handelt primär von einer actiongeladenen Verfolgungsjagd. Dennoch ist die Prämisse etwas ausgelutscht und deshalb ein wenig ermüdend.
The Ringer (1926) ✔️
Eine der besten Wallace-Romane. Es ist direkt von Anfang an klar, wer das Opfer und der Täter sein wird (oder ob man die Tat noch verhindern kann), das Opfer ist extrem unsympthatisch, das reizvolle hier ist nun herauszufinden als was sich die Titelfigur („The Ringer“), eine Art Vigilant, der den Selbstmord seiner Schwester rächen will, verkleidet hat. Letzteres ist quasi die Superkraft des „Ringers“ - sich perfekt zu verkleiden und zu verstellen, auch wenn dies in der Realität komplett unmöglich ist. Dennoch sehr unterhaltsam und die Sympathien des Lesers sind nicht unbedingt beim potentiellen Opfer.
The Strange Countess (1925) ✔️
Der Roman gehört zu den schlechteren Werken von Wallace. Der Inhalt ist relativ schwierig zu beschreiben ohne Spoiler oder das aufzulösen - und die Auflösung des Ganzen (und warum die Antagonisten so gehandelt haben) kommt erst sehr spät (im letzten Fünftel des Romans), und es war auch vorher nicht zu erraten, was enttäuscht. Dazu kommt noch einige massive Zufälle. Deshalb ist der Roman eher uninteressant
The Black Abbot (1926) ✔️
Eine der besseren Romane von Wallace: Es gibt mehrere Hauptfiguren, die versuchen, sich gegenseitig auszutricksen, dann wieder gezwungen sind, Allianzen zu bilden und sich mehr oder weniger selbst im Weg stehen. Dazu noch recht spannend geschrieben, auch wenn die Auflösung, wer die versuchten Mordanschläge verübt, nicht allzu überraschend ist (auch wenn mal wieder Informationen dem Leser vorenthalten wurden). Generell ist der Inhalt ohne zu spoilern relativ schwer zu erzählen.
The Door with Seven Locks (1926) ✔️
Ebenfalls gehört der Roman zu den Besten von Wallace. Er ist spannend, mysteriös und erhält so einige Horrorelemente, nebst der etwas ausgelutschten Liebesgeschichte. Aber ansonsten eigentlich sehr gelungen (für einen Edgar-Wallace-Roman)
The Square Emerald (1926) ✔️
Ein etwas untypischer Roman, weil mal ein erfrischend anderes Muster vorkommt. Die Besonderheit hier ist dass fast alle Hauptfiguren - egal auf welcher Seite - weiblich sind. Die männlichen Figuren spielen eher eine Nebenrolle, entweder als Opfer oder als Unterstützung der Protagonistin. Und wieder mal etwas Rassismus, diesmal gegenüber Javanesen. Diese kommen aber eher am Rande vor.
The Black (1926) ✔️
Dieser Roman ist auch einer des besseren Werke von Wallace. Ein wenig erinnert er an The Blue Hand, weil die Fronten recht geklärt sind wer nun zu den Guten gehört oder wer nicht. Ebenso interessant ist, dass der titelgebende The Black recht schnell öffentlich enttarnt wird, und auch etwa die Hälfte der Romans eher actiongeladen ist. Die einzige Frage, warum der Schurke ein inkriminiertes Schriftstück behält statt es zu vernichten, wird am Ende geklärt und die Erklärung ist überraschend. Leider wieder ein paar seltsame Zufälle und Deus ex Machina-Momente. Ansonsten lohnt sich der Roman.
The Yellow Snake (1926) ✔️
Dies ist das mit Abstand rassistischste Werk von Edgar Wallace. Der Titel alleine reicht schon aus - es handelt sich nämlich mitnichten um ein Reptil sondern um die Bezeichnung des Gegenspielers der Protagonisten.
Das ist auch insofern ärgerlich/bedauerlich, weil der Inhalt - wenn man den Rassismus dort ignoriert - durchaus spannend, actionreich und mit einen heftigen (für Wallace-Verhältnissen) Horrorelementen versehen ist, wenn man auch ein Deus-Ex-Machina-Element am Ende der Geschichte vorhande nist.
Mal ein paar Beispiele (der Roman ist voll von solchen Rassismen):
Cite
“Fing-Su?” he said carelessly. “Oh, he’s just a Chink; the son of an old Chinese go-getter who wasn’t a bad fellow. The old man was missionary-educated, and that, of course, spoilt him. No, I’m not knocking missionaries; they cannot perform miracles. It takes nine generations to make a black man think white, but ten thousand years couldn’t change a Chinaman’s mentality!”
Cite
But, being strangely minded, he was by no means anxious to be seen in public lunching with an Oriental, and for that reason had decided that the meal should be in the boardroom, where he had given many little repasts to his business associates.
Generell ist der „Held“ der Geschichte vollkommen von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ überzeugt während sein Partner, der China und die chinesische Kultur liebt und sich anpasst, als naiv angesehen wird:
Cite
But the silly old gentleman had made an agreement that his Chinese helper should have a tenth share of the profits
Das ironische daran ist das hier, von Antagonisten ausgesprochen der etwas von einem James-Bond-Bösewicht hat:
Cite
Mr Lynne has conceived an unkindly sentiment for me which is largely due to my race. I will not say ‘unfortunate race,’” he went on, “because I do not regard ours as in any way inferior to yours. We are human; we have been for thousands of years on a higher intellectual level. And Mr Lynne has no reason to dislike us. My revered father”—he made an almost imperceptible genuflexion—“did much to found the fortune of the Yun Nan Syndicate—indeed, but for his help the concessions would never have been secured and certainly never worked.”
Das macht ihn sympathischer als den Rest der Figuren, was gewiss nicht die Absicht von Wallace war.
Deshalb gehört der Roman zu den schlechtesten Werken von Wallace.
Big Foot (1927) ✔️
Einer der besseren Romane von Edgar Wallace. Mal von dem etwas ausgelutschten Motiv des exzentrischen Detektiv („Sooper“) abgesehen und der Tatsache, dass Wallace zu offensichtlich eine falsche Fährte auf einen der Charaktere legt (und ich schon lange geahnt habe, wer „Big Foot“ tatsächlich ist) durchaus lesenswert. Wohltuend auch dass hier mal zur Abwechslung nichts rassistisches vorkommt.
Flat 2 (1927) ✔️
Der Roman handelt um den extrem unsympathischen Emil Louba, wo niemand überrascht ist dass er ermordet wurde und eigentlich niemand ihm nachtrauert. Die Frage ist nur wer von den ganzen Protagonisten, die fast alle ein gutes Motiv haben, es war?
Die Lösung hatte ich schon geahnt, auch wenn hier wieder mal Zufall im Spiel war. Dennoch nicht schlecht.
The Forger (1927) ✔️
An sich ein relativ solider Roman, auch wenn mir schon direkt am Anfang an einer Stelle klar war, wer der geheimnisvolle Fälscher ist, genau auf diese Stelle referenzierte die endgültige Auflösung. Wallace versucht hier eine Menge falscher Spuren zu legen, die aber so offensichtlich sind dass die Ablenkungen nicht allzu erfolgreich sind. Dennoch ganz gut zu lesen, und kommt mal ohne Zufälle aus, was auch angenehm ist.
The Hand of Power (1927) ✔️
Auch dies ist einer der besseren Werke von Wallace, es geht um eine scheinbar harmlose und gutartige Geheimgesellschaft. Der Roman ist quasi zweigeteilt: In der ersten Hälfte wird die Geheimgesellschaft und einige mysteriöse Ereignisse sowie die Protagonisten vorgestellt, in der zweiten Hälfte geht es um das was die Gesellschaft insgeheim geplant hat.
Interessant und fast filmreif geschrieben (besonders die zweite Hälfte), auch wenn mir schon ein wenig klar war wer der mysteriöse Anführer der Gesellschaft ist, gab es doch so einige Überraschungen. Durchaus lesenswert.
The Flying Squad (1928) ✔️
Ein eher durchschnittliches Werk, das dem Titel eigentlich nicht gerecht wird. Es geht nur am Rande um dem namensgebenden Flying Squad - er kommt zwar vor, aber eher am Rande - es dreht sich bei dem Roman um Kokainschmuggel und deren Protagonisten. Er bietet auch wenig Überraschungen - mit der für Wallace schon obligatorischen Liebesgeschichte -, das Ende war auch zu erwarten. Das Interessanteste daran war für mich dass die Tarnung des Kokainschmuggels - nämlich Schmuggel von Saccharin - durchaus plausibel war: Ich wusste nicht dass damals Saccharin mit hohen Zöllen belegt wurde und teilweise illegal war um die heimische Zuckerindustrie zu schützen, z.B. in Deutschland. Demzufolge konnte Saccharinschmuggel durchaus profitabel sein.
The Gunner (1928) ✔️
Der Roman handelt von dem unglücklichen Luke, der durch eine Intrige um sein ganzen Vermögen gebracht wurde, dann per Zufall zwischen rivalisierende Gangsterbanden gerät und nur knapp dem Tod entkommt. Der einzige, der ihm aus seiner misslichen Lage bringen kann und es auch tut, ist der namensgebende „Gunner“, einem ehemaligen Kriminellen, dem Luke per Zufall helfen wollte und der das nicht vergessen hat und sich nun revanchiert. Der Roman enthält kaum Mystery, außer die Frage nach einer bestimmten Notiz, was am Ende geklärt wird.
Nicht sonderlich gut, weil der Leser weiß dass es bei Wallace immer Happy Ends gibt, die einzige Fragen sind dann immer wie Luke aus seiner Misere wieder herauskommen will. Dazu kommen noch eine Reihe massiver Zufälle. Gibt schlechtere Werke, aber auch wesentlich bessere.
Four Square Jane (1929) ✔️
Ein sehr unterhaltsamer Roman, über die namensgebende „Four Square Jane“3 die episodenhaft verschiedene Coups durchführt. Die Täterin ist nicht nur wegen ihre sehr guten Planung/Dreistigkeit sympathisch (tatsächlich zollt Scotland Yard ihr massiven Respekt), sondern die Opfer sind alles andere als unschuldig. Es ist allerdings nicht so überraschend wer sich am Ende als „Jane“ entpuppt. Aber wieder sehr erfrischend dass Wallace wieder ein sehr modernes Frauenbild beschreibt: Unabhängig, intelligent und stark. Und kommt ohne Rassismen aus. Durchaus lesenswert.
Again the Ringer (1929) ✔️
Auch dieses Werk von Wallace ist äußerst unterhaltsam. Es ist das zweite - und letzte - Buch, was sich mit dem „Ringer“ beschäftigt. Allerdings hat sich der Charakter des Ringers ein wenig verändert. Während im ersten Buch der Ringer - Henry Arthur Milton - als recht skrupelloser Verbrecher mit soziopathischen Tendenzen beschrieben wird (seine Frau beschreibt ihn als jemanden der aus Spaß tötet) und der auch keine Skrupel hat bei der versuchten Verhaftung einen Polizisten lebensgefährlich mit einem Messer zu verletzten und aus reiner persönlicher Rache in dem Roman agiert ist der Ringer hier eher jemand, der als Hobby Gerechtigkeit herstellt und/oder Opfer rächt ohne etwas selbst davon zu haben4. Ebenfalls wird Bliss - der Gegenspieler des Ringers von Scotland Yard - hier weit sympathischer dar getellt. Im ersten Roman hat er sehr arrogant und unsympathisch agiert, hier ist er mit einem inkompetenten Untergebenen gestraft. Interessanterweise gibt es auch eine Art gegenseitigen Respekt zwischen ihm und dem Ringer, das gipfelt dadrin dass der Ringer ihm das Leben rettet in dem er einen Anschlag vereitelt, In der Abneigung gegenüber Inspector Mander - besagten Untergebenen - sind sie sich auch einig.
Das Buch besteht aus mehreren eigenständigen Geschichten, in dem der Ringer sein Unwesen treibt, die Opfer es allerdings auch verdient haben. Wie der Ringer seine Pläne ausführt ist ebenfalls sehr unterhaltsam. Kurzum: Sehr kurzweilig, teilweise witzig und eher einer der besseren Werke.
The Calendar (1930) ✔️
Eine der langweiligsten Romane von Edgar Wallace, zumal es praktisch keine Rätsel enthält und eigentlich auch keine Verbrechen. Es geht um Pferderennen - der im Titel erwähnte „Calendar“ ist eine Art Fachzeitschrift -, um Intrigen und Dreiecksbeziehung, und hat wesentlich mehr mit einer Soap-Opera gemein als mit einem Thriller, vielleicht noch für ausgewiesene Freunde des Pferderennsports ein wenig interessant 🥱,
The Clue of the Silver Key (1930) ✔️
Es zeigt sich mal wieder Edgar Wallace Vorliebe für eigentümliche Namen, in dem Fall „Washington Wirth“ und „Surefoot Smith“. Allerdings gibt für beide Namen tatsächlich gute und nachvollziehbare Begründungen im Gegensatz zu anderen Werken. Ansonsten ist der Roman recht spannend und intelligent mit durchaus gekonnten Ablenkungen und falschen Fährten und gehört zu den besseren Mysterys von Wallace, zum Ende wird es noch recht actionreich, wobei hier mal wieder der Zufall eine etwas größere Rolle spielt. Davon abgesehen durchaus lesenswert.
The Devil Man (1931) ✔️
Dieser Roman ist ein wenig eigentümlich. Es ist - von Edgar Wallace Zeit ausgesehen - ein historischer Roman um den berüchtigten Verbrecher Charles Peace, genauer um deren letzten Jahre. Zu den historischen Ereignissen baut Wallace hier noch eine Geschichte über eine potentielle5 Erfindung von rostfreien Edelstahl sowie eine schon fast obligatorische Liebesgeschichte.
Sehr interessant an dem Roman ist die Charakterisierung von Peace: Ein Narzisst, der sich extrem selbst überschätzt. Man erkennt geradezu Donald Trump in ihm wieder, was schon erstaunlich ist. Auch für Leute die Interesse an historischen Kriminalfälle haben. Ansonsten ist das Schicksal von Peace und die Auswirkungen von seinen Taten natürlich klar, weil historisch.
The Man at the Carlton (1931) ✔️
Wiederum einer der besseren Romane von Edgar Wallace. Es geht u.A. über ein etwas mysteriöses Haus und dessen Bewohner sowie mehrere Kriminelle und nicht nur ein, sondern verschiedene Mysterys. Das Ende ist - für mich - recht überraschend, aber durchaus fair. Wallace hat hier gut falsche Fährten gelegt, wobei der Leser diesmal tatsächlich alle Informationen bekomme hat, ich hatte einen anderen Verdacht gehabt.
Bleibt nur noch eine Frage: Wieso wird einer der Protagonisten, der bei der Polizei in Afrika tätig wird, dort „Tiger“ genannt? In Afrika? 🤔
The Frightened Lady (1933) ✔️
Ebenfalls ein recht spannend und guter Mystery, auch wenn ich schon geahnt habe wer der Täter ist (und ich sollte Recht behalten). Die Details, warum welche Protagonisten was tun/getan haben machte es - trotz Verdachts - sehr interessant und gut zu lesen, wobei am Ende in relativ kurzer Zeit sehr viel passiert. Aber durchaus empfehlenswert 👍.
Footnotes
-
Edgar Wallace Vorliebe von eigenwilligen Namen 🙄 ↩
-
Wenigstens löst Wallace das hier auf: Thomas Xavier ↩
-
Warum sie so genannt wird ist der Teil der Auflösung ↩
-
Mit einer Ausnahme, wo er eine Art „Kommision“ von jemanden erwartet, dessen Erbe er wieder hergestellt hat ↩
-
Es wird nie geklärt ob die „Kristalle“ tatsächlich das halten, was vermutet wird ↩