Marktschwärmer- Lokale Produkte zu fairen Preisen

Es ist schon länger bekannt dass Fleisch in Deutschland definitiv zu billig ist - und diese Billigpreise werden teuer durch tierquälerische Haltungsbedingungen, Tiertransporte quer durch Europa, ausgenutzte Billigarbeiter und co erkauft. Dies ist schon länger bekannt, durch den Tönnies-Fleischskandal (neben anderen) kam dieses wieder in das Bewusstsein der Konsumenten.

Für mich war neben des Tönnies-Skandals die Tatsache, dass Kaufland - als ob nichts gewesen wäre - die billigen Fleischpreise über Wochen um bis 50% gesenkt hat, der Anstoß persönliche Konsequenzen zu ziehen. Ich fühlte mich schlicht und ergreifend veräppelt - es wurde über die Bedingungen in der Fleischindustrie diskutiert und die zu billigen Preise bei Fleisch und Kaufland hat nichts besseres zu tun als das eh' schon zu billige Fleisch zu verramschen?

Mein persönlicher Entschluss: Konsequenter den Weg Richtung Flexitarismus zu gehen und - vor allem - das Billigfleisch soweit es irgendwie geht zu vermeiden.

Nun gibt es ja bereits...

Biomärkte

Ich habe mit Biomärkten generell - unabhängig von der Qualität oder den Preisen - zwei Probleme:

Tendenz zur Esoterik

Jedes mal wenn ich einen Biomarkt betrete schüttel ich mich innerlich wenn ich so die Aushänge mir anschaue - anscheinend gibt es eine nicht geringe Schnittmenge zwischen Esoterikern, Homöopathen und ähnlichen Quacksalbern - mein Highlight hier war ein Aushang eines selbsternannten Schamanen sich als Traumatherapeut anbot - und Biomarktkunden, was sich durchaus auch in manchen Produkten wiederspiegelt. Ich möchte aber ganz normale, gute Produkte ohne weltanschaulichen Ballast.

Schlechter ökologischer Fußabdruck

Das zweite - weit größere - Problem bei Biomärkten: Der ökologische Fußabdruck wird oftmals ignoriert. So wird z.B.

  • Biomilch aus Süddeutschland nach Österreich zur Verarbeitung gekarrt um daraus Biojoghurt zu erzeugen, der dann wiederum nach Berlin befördert wird.
  • Flugobst verkauft
  • Passend zum esoterischen Aspekt: Sogenanntes „Superfood“ - was laut objektiven Tests nicht besser als einheimische Produkte ist - wird auch aus allen möglichen Ländern importiert.

Last but not least: Tönnies ist einer der größten Schlachtbetriebe für Biofleisch.

Ich habe nun aber - danke an Karsten Schulz eine wirklich gute Alternative gefunden - die Marktschwärmer

Marktschwärmer

Die Marktschwärmer vermitteln zwischen lokalen Erzeugern und den Kunden, im Prinzip ist es so wie früher - beim lokalen Bauernhof die Produkte erwerben. Da das jedoch gerade in Großstädten nicht so ohne weiteres möglich ist kommen hier die Marktschwärmer ins Spiel:

Man bestellt - qualitativ hochwertige - Waren und zahlt diese im voraus. Einmal die Woche - in meinem Fall Donnerstags - holt man seine Bestellungen an den entsprechenden Abgabestationen ab (ich selbst habe zwei in meiner Nähe), mitunter hat man dort auch direkt Kontakt zu den Erzeugern und kann mit ihnen ins Gespräch kommen, siehe dazu auch den Wikipedia-Artikel. Und die Erzeuger sind bodenständig, keine Esoteriker :-)

Das hat gleich eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Man kann sich über die Haltung der Tiere informieren, die Erzeuger stellen sich vor
  • Die Lebensmittel sind regional und frisch und werden nicht wer weiß wie lange durch die Gegend gekarrt
  • Die Tiere werden lokal geschlachtet, keine langen Tiertransporte
  • Man unterstützt kleinere, ökologische orientierte Bauernhöfe statt Agrar-/Fleischfabriken

Ich muss allerdings auch sagen dass - als ich das erste Mal die Preise, ganz besonders für Fleisch, angeschaut habe ich erst mal Luft holen musste - das ist deutlich teurer als das Billigfleisch. Aber angemessen. Ich hatte schon mehrfach Produkte gekauft und bin wirklich zufrieden - sehr gute Qualität.

Als Nebeneffekt: Dadurch dass das Fleisch dort - vergleichen zum Billigfleisch - so teuer ist genießt man es bewusster - und konsumiert auch weniger und mehr vegetarische Gerichte, was in Hinblick auf Flexitarismus ein durchaus gewollter Effekt ist.

Konsequenz

Ich kaufe generell kein Fleisch mehr im Supermarkt, nur noch bei den Marktschwärmern. Und wenn ich ab und zu zusammenzucke ob des Preises: Sobald ich wieder eine Meldung bezüglich Tönnies, Fleischskandal und co lese zucke ich nicht mehr zusammen sondern lächle :-)

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