Die ersten 500km

Roller

Am Donnerstag, den 18.2.2021, habe ich die ersten 500km auf meinem Elektroroller Silence S01 hinter mir.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten, die da waren:

  • Die Auslieferung und Anmeldung hatte sich verzögert, ursprünglich war September/Anfang Oktober geplant, erst am 3.12.2021 konnte ich den zugelassenen Roller abholen
  • Es stellte sich heraus dass die neuen Silence-Modelle ein Problem hatten: Unter 5° Außentemperatur fuhren sie nicht. Ich hatte zwar einen Workaround gefunden - ein Beutel heißes Wasser auf die Seitenschwinge legen und warten bis das betroffe Teil warm genug ist - aber das war eher ein Notlösung. Im Januar wurde das Teil dann repariert.

ist nun soweit alles gut, und wenn man dann noch bedenkt dass die letzten zwei Wochen mit Schnee und Glätte das sichere Fahren mit dem Roller unmöglich gemacht haben sind 500 km in 3 Monaten - noch dazu im Winter - nicht übel.

Hintergrund

Ich hatte mit der Zeit die Flexibilität und Mobilität eines Autos vermisst, allerdings nicht die negativen Begleiterscheinungen:

  • Etwa 500 Euro/Monat an Kosten (Versicherung, Wartung, Parkplatzgebühren, Reparaturen, usw. Steuer fällt nicht ins Gewicht, Benzin ist auch kein so großer Posten)
  • Staus/Parkplatzsuche

Also hatte ich mir einen Elektroroller ausgesucht, diesen bestellt, zur Fahrschule gegangen, mich zum Kurs B196 angemeldet, vorher Schutzkleidung (Jacke, Hose(n), Stiefel, Handschuhe, Helm) gekauft und dann später B196 im Führerschein eintragen lassen. Das war dann alles im September erledigt, leider hat sich das dann bis Dezember hingezogen.

Rollerfahren

Ich muss sagen, der Roller hat meine Erwartungen übertroffen. Neben der Tatsache dass es wirklich viel Spaß macht:

  • Ich bin noch nie so entspannt und schnell durch die Stadt von Punkt A nach Punkt B gekommen! Das liegt an zwei Faktoren:

    • Der Roller - dank Elektromotor - beschleunigt im „normalen“ Modus (den Sportmodus habe ich bislang noch nicht getestet, kommt aber bald) schneller als so ziemlich jedes Auto mit Verbrennungsmotor. Dadurch kann man wunderbar im Verkehr mitschwimmen und durchkommen, als Beispiel folgende Situation:

      Ampel, rechte Spur verengt sich nach der Ampel (Parkende Fahrzeuge oder warum auch immer). Linke Spur stehen Autos. Kein Problem auf der rechten Spur zu stehen - dank Beschleunigung errreiche ich vor den Fahrzeugen auf der linken Spur als erster die Verengung

    • Es gibt keine Parktplatzprobleme oder -suche. Einfach einen Platz direkt vor Ort auf dem Bürgersteig suchen (das wird toleriert, sofern man nicht im Weg steht), an einer Laterne o.ä. anketten, fertig. Man macht sich gar keine Vorstellungen wieviel Zeit die Parkplatzsuche mit dem Auto oft frisst

    Ich bin etwa doppelt so schnell am Ziel als via ÖPNV - und zwar verglichen optimaler Fall ÖPNV (ohne Verspätungen, perfekte Anschlüsse, usw) vs reeller Fall Roller. Das fande ich schon erstaunlich.

  • Gerade in Corona-Zeiten kann ich somit den ÖPNV meiden wann es nur geht.

  • Einkaufen ist auch kein Problem - das Helmfach ist wirklich groß, da passen z.B. zwei Beutel Catsan Ultra 'rein, dazu noch ein Rucksack und größere Einkäufe sind kein Thema. Ich hatte letztens einen alten Monitor, Scanner und diverses andere Elektroschrottzeugs zum Recyclinghof gebracht, kein Problem.
  • Kurzstrecken - mal eben 3km um eine Currywurst zu holen, z.B. - sind kein Thema für ein Elektrofahrzeug, mit einem Verbrenner wäre das fürchterlich ineffizient und würde viel Treibstoff verbrauchen.
  • Und ich habe wieder Flexibilität, kann mich jederzeit auf den Roller setzen und irgendwo hinfahren, sofern der Akku natürlich voll genug ist. Hier braucht man etwa Planung.

Fahren im Winter

Seltsamerweise gibt es nicht so viele Zweiradfahrer die auch im Winter fahren, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Es ist natürlich nicht so angenehm wie bei höheren Temperaturen zu fahren:

  • Der Windchill-Faktor ist es vor allem: Hier kann es bei 50 km/h zu gefühlten -10 bis -20 Grad werden.
  • Meine Handschuhe sind gefüttert, das macht sich bei Kälte (und Windchill-Faktor) sehr bemerkbar
  • Das Visier vom Helm beschlägt. Auch Antibeschlagspray hat nicht viel geholfen, sobald der Shutdown halbwegs vorbei ist lasse ich mir ein Pin-Visier einbauen. Aber es bleibt nichts anderes übrig als mit offenem Visier zu fahren - und das ist recht unangenehm (wieder: Windchillfaktor). Etwas abmildern lässt sich das durch eine Sturmhaube
  • Und natürlich: Bei Schnee und Glätte fahre ich nicht, zu gefährlich.

Aber dennoch - für kürzere Strecken (so 30 Minuten pro Richtung) ist das kein Problem, deshalb bin ich ehrlich gesagt etwas verwundert warum kaum jemand im Winter fährt.

Nachteile

Es gibt natürlich auch ein paar Nachteile:

  • Wirklich große Einkäufe (z.B. Getränkekästen) gehen natürlich nicht.
  • Bei Regen macht es auch nicht sonderlich Spaß, gerade im Winter bei kaltem Regen
  • Man muss etwas auf den Ladestand des Akkus achten, eine Ladung reicht - abhängig von der Außentemperatur und Fahrstil - etwa 100-120 km. Das Aufladen braucht etwa 8h. Praktischerweise kann man sich per App jederzeit den Ladestand des Akkus anschauen, der Roller hat ein Telemetriemodul nebst GPS eingebaut
  • Der Akku wiegt etwa 40kg und kann wie ein Trolley gezogen werden. Allerdings sollten dann auf dem Weg zu Steckdose keine Stufen sein

Fazit

Für mich ist mittlerweile der Elektromotorroller das optimale Fahrzeug für die Stadt, ganz besonders die 125ccm-Klasse. Die keineren Roller, die man auch per Sharing ausleihen kann (hatte ich gemacht um zu üben) sind auch sehr gut, aber auf 45 km/h gedrosselt. Damit wird man - das hatte ich beim Ausleihen auch gemerkt - oft risikant überholt, weil man als rollendes Hinternis für Autos angesehen wird. Abgesehen davon kann ich mit dem Roller (was ich auch schon gemacht habe) über die Stadtautobahn fahren, das Teil hat eine Höchstgeschwindigkeit von 100km/h, und die Stadtautobahn ist normalerweise sowieso auf 60-80 km/h beschränkt.

Alles in allem: Meine Erwartungen wurden nicht nur voll und ganz bestätigt, sondern auch übertroffen. Ich will kein Auto mehr für die Stadt, ist in Großstädten eher von Nachteil als von Nutzen. Von den Kosten ganz zu schweigen.